Freitag, 21. September 2018

EN 407: Handschutz gegen Hitze und/oder Flammen

 

Die europäische Norm EN 407 testet das Leistungsverhalten von Schutzhandschuhen bei thermischen Risiken. Das Prüfungsergebnis wird mithilfe von sechs Ziffern dargestellt. Jede Ziffer spiegelt das Leistungsverhalten in einer Kategorie wider.

Merkmale der EN 407

 

Bei der europäischen Norm EN 407 werden die Mindestanforderungen und spezifischen Prüfverfahren für Schutzhandschuhe im Bezug auf thermische Risiken festgelegt. Die Schutzhandschuhe, die nach dieser Norm zertifiziert worden sind, schützen den Träger bei Kontaktwärme, Strahlungswärme und vor größeren Schmelzspritzern. 

Wichtiger Hinweis: Hitzehandschuhe zur Brandbekämpfung, zum Schweißen oder ähnlichem sind davon jedoch nicht betroffen!

Hitzeschutzhandschuhe, die der Norm EN 407 entsprechen, sollen folgende Merkmale erfüllen:

  1. Hohe Temperaturbeständigkeit
  2. Schwere Entflammbarkeit / Flammausbreitung
  3. Geringer Wärmedurchgang (Schutz vor Strahlungs-, Konvektions-, und Kontaktwärme)

     

Zusammenfassung der einzelnen Kennzeichnungen 

 
  • Brennverhalten: Hierbei wird das Handschuhmaterial 15 Sekunden einer Gasflamme ausgesetzt. Dabei wird gemessen, wie lange es dauert bis er aufhört zu brennen. Bei der höchsten Leistungsstufe (Stufe 4) darf das Material maximal 2 Sekunden nachbrennen oder 5 Sekunden nachglühen. (Höchste Leistungsstufe 4 = Nachbrennzeit 2 Sekunden; Nachglühzeit 5 Sekunden)
  • Kontaktwärme: Der Handschuh muss insgesamt 15 Sekunden lang gegen Temperaturen (100 °C – 500 °C) schützen, ohne dass die Innenseite um mehr als 10 °C steigt. Je nachdem wie viel Grad das Material aushält, wird die Schutzstufe bestimmt. (Höchste Leistungsstufe 4 =+500 °C)
  • Konvektionswärme: Hierbei wird getestet, wie lange der Handschuh das Durchdringen der Hitze von offenem Feuer um 24 °C verhindern kann. (Höchste Leistungsstufe 4)
  • Strahlungswärme: Bei diesem Testverfahren wird der Handschuh einer Wärmestrahlung ausgesetzt. Dabei wird die Zeit gemessen, die vergeht, bis eine bestimmte Wärmemenge eingedrungen ist. Bei der höchsten Leistungsstufe (Stufe 4) schützt der Handschuh mindestens 150 Sekunden. (Höchste Leistungsstufe 4 = mindestens 150 Sekunden)
  • Kleine Schmelzspritzer: Hier wird gemessen, wie viele Tropfen geschmolzenen Metalls nötig sind um einen Anstieg der Temperatur zwischen Handschuhmaterial und Haut um 40 °C zu steigern. Die höchste Leistungsstufe 4 hält 35 Tropfen oder mehr aus. (Höchste Leistungsstufe 4 = über 35 Tropfen)
  • Große Schmelzspritzer: Bei dieser Prüfung wird getestet, wie viel Gramm geschmolzenen Eisens nötig sind, um eine nachgebildete Haut aus PVC zu beschädigen, welche auf der Innenseite des Handschuhs befestigt ist. Der höchste Wert wird bei der Leistungsstufe 4 erreicht, was bedeutet, dass der Handschuh 200 Gramm flüssigem Metall standhält. (Höchste Leistungsstufe 4 = 200 Gramm)  

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PSA-Expertenratgeber Schutzhandschuhe

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Kennzeichnung nach
EN 407

 

Leistungsstufen:

a Brennverhalten: 0–4
b Kontaktwärme: 0–4
c Konvektive Wärme: 0–4
d Strahlungswärme: 0–4
e Kleine Schmelzmetallspritzer: 0–4
f Große Schmelzmetallspritzer: 0–4 (X = nicht geprüft)


Zusätzlich müssen alle Handschuhe mindestens die Leistungsebene 1 für Abrieb- und Reißfestigkeit erzielen (mechanische Einwirkung nach EN 388).

Kennzeichnung nach EN 388:2016

 

Bestimmung der 
maximal Temperatur

 

Die Prüfung des Kontaktwärmeverhaltens eines Handschuhs testet sein Isolationsvermögen. Es wird die maximale Temperatur bestimmt, bei der der Handschuh 15 Sekunden lang schützt, ohne dass die Temperatur im Inneren des Handschuhs um 10 °C ansteigt. 4 ist die höchste Leistungsstufe. Die Prüfung wird bei Zimmertemperatur durchgeführt. Der Handschuh ist dabei in ständigem Kontakt mit dem heißen Gegenstand.

Besonderer Hinweis: Einige Materialien können bei hohen Temperaturen schmelzen. Dies kann die mechanischen Eigenschaften des Handschuhs beeinflussen.
Diese Veränderung bzw. Degradation wird von der EN 407 nicht berücksichtigt. D. h. ein Handschuh erfüllt die Norm, auch wenn eine Zersetzung des Materials oder von Materialbestandteilen stattfindet.

Leistungslevel Maximal Temperatur
Level 1 100 °C
Level 2 250 °C
Level 3 350 °C
Level 4 500 °C