Donnerstag, 24. Juni 2021

Schloffer-Tipps Gehörschutz

 

Um den optimalen Gehörschutz für Ihr Unternehmen zu finden, sollte man sich im Vorfeld gut beraten lassen und Tests direkt vor Ort durchführen. Nur so kann sichergestellt werden, dass Sie weder niederprotektiert oder überprotektiert sind.

Warum muss ein Gehörschutz getragen werden?

 

Trotz aller Präventionsmaßnahmen ist die Lärmschwerhörigkeit noch immer eine der häufigsten Berufskrankheiten. Besonders davon betroffen sind die Metall- und Baubranche.
 
Gleichzeitig ist es leicht, mit den richtigen Lärmminderungsmaßnahmen gesundheitliche Schädigungen zu vermeiden.
Unser Gehör gehört zu den hochempfindlichen Sinnesorganen und eine Schädigung erfolgt oftmals unbemerkt und schleichend über einen längeren Zeitraum. Ein verlorenes Gehör ist irreversibel und Betroffene müssen oftmals unter diesen Folgen ein Leben lang leiden. 

Um dem vorzubeugen und Ihre optimal Mitarbeiter zu schützen, zeigen wir Ihnen, wie man den richtigen Gehörschutz auswählt und stehen Ihnen gerne zur Seite, wenn Sie eine Beratung benötigen.

Wann muss ein Gehörschutz getragen werden?

 

Wird ein Beurteilungspegelwert von 85 dB(A) erreicht oder überschritten, beginnen Schallwellen unsere Gehörzellen zu schwächen und zu zerstören.

Ab einem Schalldruckpegel von 85 dB (A) muss ein Gehörschutz verwendet werden, ab 80 dB (A) hat der Arbeitgeber einen geeigneten Gehörschutz zur Verfügung zu stellen.

Wann muss ein Gehörschutz getragen werden?

Quelle: DGUV

An welchen Schwellenwerten kann ich mich orientieren?

 
  • bis 20 db (A) menschliche Hörschwelle
  • 20–50 db (A) angenehm zu empfinden
  • 50–75 db (A) ungefährlich für das Gehör
  • 80 db (A) unterer Auslösewert für einen 8 stündigen Arbeitstag (Gehörschutz muss bereitgestellt werden)
  • 85 db (A) oberer Auslösewert für einen 8 stündigen Arbeitstag (Tragen eines Gehörschutzes ist Pflicht und der Arbeitsbereich muss als Lärmbereich gekennzeichnet werden)
  • ab 100 db (A) Extrem laute Umgebung! Selbst kurze Aufenthalte können zu einer Hörschädigung und Ohrklingeln führen
  • ab 160 db (A) Bei diesem Wert treffen sofortige physische Schädigungen auf
An welchen Schwellenwerten kann ich mich orientieren?

Bei welchen Tätigkeiten sollte ein Gehörschutz verwendet werden?

 

Arbeitsplätze, bei denen eine Überschreitung des Lärmpegels von 85 dB(A) zu erwarten sind:

  • Baustellen des Hoch- und Tiefbaus
  • Schweißereien
  • Holzbearbeitung
  • Glasbläser
  • Betriebe des Metallhandwerks
  • Blech und Leichtmetall verarbeitende Betriebe

Welche gesetzlichen Vorschriften sind für mich relevant?

 

Die Verordnung Lärm und Vibrationen (VOLV) und die Verordnung Persönliche Schutzausrüstung (PSA-V) zum ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) regeln unter anderem die Verwendung von Gehörschutz.

Die Verordnung (EU) 2016/425 legt die grundlegenden Sicherheitsanforderungen an PSA bezüglich Gestaltung und Herstellung fest. Als sichtbares Zeichen dafür, dass der Hersteller von PSA die Auflagen dieser Verordnung eingehalten hat, bringt er die CE-Kennzeichnung an der PSA selbst oder an der Verpackung an.

Entsprechend der Verordnung (EU) 2016/425 ist die Erstellung einer Benutzerinformation notwendig, die beim Kauf von PSA mitgeliefert werden muss.

Mit der Verordnung (EU) 2016/425 ist die Lärmexposition

  • als “ernsthafte Gefährdung “ eingestuft worden und
  • die Risikokategorie für Gehörschutz wurde von Kategorie II auf die höchste Stufe III erhöht und somit
  • ist auch eine Einweisung der MitarbeiterInnen gesetzlich verpflichtend. .
Wussten Sie, dass...

Persönliche Schutzausrüstung ohne CE-Kennzeichnung darf nicht auf den europäischen Markt gebracht werden!

Welche Arten von Gehörschutz werden unterschieden?

 

Kapselgehörschutz

  • Kapselgehörschützer mit Kopf-, Nacken- oder Universalbügel
  • Kapselgehörschützer, die an einen Industrieschutzhelm montiert werden
  • Kapselgehörschützer mit pegelabhängiger Schalldämmung
  • Kapselgehörschützer mit aktiver Geräuschdämmung
  • Kapselgehörschützer mit Kommunikationseinrichtung

Gehörschutzstöpsel

  • Fertiggeformte Gehörschutzstöpsel zum einmaligen Gebrauch
  • Vor Gebrauch zu formende Stöpsel zum einmaligen Gebrauch
  • Fertiggeformte Gehörschutzstöpsel zum mehrfachen Gebrauch
  • Stöpsel mit festem Bügel
  • Otoplastiken

Was ist ein Kapselgehörschutz?

 

Der Kapselgehörschutz umschließt beide Ohrmuscheln und vermindert die Schalleinwirkung auf das Ohrgewebe und den Schädelknochen. Kapselgehörschützer können auch direkt am Helm montiert werden, müssen aber vom Hersteller entsprechend zugelassen sein. Dieser Schutz ist besonders zu empfehlen, wenn die Gehörschützer oft auf- und abgesetzt werden müssen.

Was ist ein Gehörschutzstöpsel?

 

Gehörschutzstöpsel sind als Einweg- und Mehrwegprodukte erhältlich. Einweg-Gehörschutzstöpsel werden vor dem Einsetzen geformt, um optimalen Halt zu gewährleisten. Mehrwegstöpsel sind vorgeformt und können, ohne geformt zu werden, in den Gehörgang eingesetzt werden. Sie eignen sich vor allem bei hohen Temperaturen, Feuchtigkeitseinwirkung oder Staubbelastung.

Was muss ich bei der Auswahl des richtigen Gehörschutzes beachten?

 

Im Vorfeld sollte der passende Gehörschutz vor Ort getestet werden. So kann festgestellt werden, welcher Gehörschutz der richtige für Sie ist und durch den Tragetest kann zusätzlich noch die Trageakzeptanz erhöht werden. Lärmexponierte sollten unbedingt die Möglichkeit bekommen zwischen mehreren Modellen wählen zu können. So ist eine Abschätzung des am Ohr wirksamen Schalldruckpegels möglich und es kann eine zu geringe Dämmwirkung oder auch zu hohe Dämmwirkung (Überprotektion) vermieden werden.

Achten Sie auch darauf, dass der Gehörschutz über ausreichende Anpassungsmöglichkeiten verfügt oder zumindest in verschiedenen Größen erhältlich ist. So können die unterschiedlichen Kopfformen der Mitarbeiter optimal abgedeckt werden und die Trageakzeptanz wird erneut erhöht. Was bei der Einführung des Gehörschutzes nicht vergessen werden sollte, ist eine Unterweisung alles betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Denn der Gehörschutz ist nur dann effektiv, wenn er auch richtig verwendet wird.

Bei schweren körperlichen Arbeiten und/oder bei hohen Umgebungstemperaturen sollten Kapselgehörschützer mit dünnen, Schweiß absorbierenden Zwischeneinlagen oder Gehörschutzstöpsel getragen werden.

Wer in einer staubigen Umgebung arbeitet, sollte zu Einweg-Stöpseln greifen oder Kapselgehörschützer mit Schweiß absorbierenden Zwischeneinlagen verwenden.

Wenn Arbeitsgeräusche bzw. Warnsignale eine wichtige Rolle spielen, sollten Gehörschützer mit einer flachen Schalldämmung benutzt werden.

Wenn die Kommunikation bei der Arbeit essenziell ist, benötigt man Gehörschützer mit einer flachen Schalldämmcharakteristik oder greift direkt zu einer Einrichtung zur Informationsübertragung.

Wenn am Kopf noch weitere Geräte oder persönliche Schutzausrüstung (PSA) getragen wird empfiehlt es sich zu Gehörschutzstöpseln zu greifen, diese eignen sich besonders für Brillenträger. Sollte es allerdings unumgänglich sein Kapselgehörschützer zu tragen sollten diese ein breites und weiches Dichtungskissen besitzen.

Was ist der HML-Check?

 

HML-Werte beschreiben die Schutzwirkung von Gehörschützern in den Frequenzbereichen Hoch (H), Mittel (M) und Niedrig (L). Aufgrund ihrer Genauigkeit eignet sich die HML-Check besser zur Ermittlung des passenden Gehörschutzes als die SNR-Methode.

Den Dämmwert Ihres Gehörschutzes entnehmen Sie der Verpackung bzw. dem Beipackzettel. Exemplarische Angaben eines Herstellers entnehmen Sie der Tabelle unten.

Der Praxisabschlag wurde in Untersuchungen ermittelt und dabei wurde festgestellt, dass zwischen theoretischem und praktischem Dämmmaß meist Unterschiede bestehen. Unterweisen Sie jedoch Ihre MitarbeiterInnen jährlich viermal inkl. praktischer Übungen, können Sie den Praxisabschlag vernachlässigen.

Quelle: DGUV

Was ist der HML-Check?

Was ist der SNR-Wert?

 

Der SNR-Wert kennzeichnet die mittlere Schalldämmung des Gehörschutzes. Die SNR-Methode bestimmt einen einzigen Dämmwert, die vereinfachte Geräuschpegelminderung (SNR).

Beispiel Kapselgehörschutz

 
Frequenzbereich (Hz) H (Hoch) M (Mittel) L (Tief)
Schalldämmung (dB) 35 28 19
SNR-Wert       31

Beispiel Gehörschutzstöpsel

 
Frequenzbereich (Hz) H (Hoch) M (Mittel) L (Tief)
Schalldämmung (dB) 32 29 29
SNR-Wert       33

Welche Kennzeichnungen muss ein Gehörschutz aufweisen?

 

Gemäß EU-Verordnung (EU) 2016/425 wird Gehörschutz seit 2018 in die Risikokategorie III eingestuft. Diese Schutzausrüstungen werden strengeren Tests zur Zertifizierung und Überprüfung der Konformität unterzogen.

Gehörschutz ist nach EN 352 wie folgt zu kennzeichnen:

Name des Herstellers / der Handelsmarke Name des Herstellers / der Handelsmarke
Bezeichnung des Modells Bezeichnung des Modells
Angabe der europäischen Norm EN 352 Angabe der europäischen Norm EN 352
CE-Kennzeichnung CE-Kennzeichnung
Nenngrößen-Angaben Nenngrößen-Angaben
Angaben zur korrekten Anwendung Angaben zur korrekten Anwendung

Wie erhalte ich die Schutzwirkung?

 

Die Gehörschützer müssen die unterschiedlichsten Einflüsse und Behandlungsweisen während der gesamten Lebensdauer durchhalten, ohne dabei ihre Schutzwirkung zu verlieren. 

Die folgenden Einflüsse können die Schutzwirkung von Ihrem Gehörschutz verringern:

  • Unsachgemäße Behandlung: Aufbewahrung, Reinigung, Instandhaltung
  • Mechanische Einwirkungen: Verschmutzung, Verformung etc.
  • Falsche Auswahl
  • Chemikalien: Lösungsmittel, Öle etc.
  • Witterungseinflüsse: Feuchtigkeit, Kälte, Hitze etc.
  • Inkonsequente Benutzung: ständiges Abnehmen des Gehörschutzes
  • Thermische Einwirkungen: flüssige Metallspritzer, Berührung mit offener Flamme
  • Unsachgemäße Benutzung: Haare zwischen Gehörschutz und Ohr, falsches Einsetzen etc.

Wie erhöhe ich die Tragebereitschaft meiner MitarbeiterInnen?

 

Bedenken Sie, dass sich Ihr Verhalten auf Ihre MitarbeiterInnen auswirkt. Wenn Sie mit gutem Beispiel vorangehen, werden auch Ihre Angestellten den Gehörschutz konsequent tragen.

  • Informieren Sie daher Ihr Personal über die Gefahren und Folgen einer Gehörschädigung
  • Beziehen Sie Ihre MitarbeiterInnen bei der Auswahl des Gehörschutzes mit ein
  • Vergessen Sie nicht auf eine Einschulung
  • Vermeiden Sie Über- und Unterprotektion
  • Seien Sie sich Ihrer Vorbildwirkung bewusst

Überzeugen Sie Ihre MitarbeiterInnen von der Sinnhaftigkeit von Gehörschützern und weisen Sie sie auch auf Ihre Eigenverantwortung hin.

Wie unterweise ich meine MitarbeiterInnen?

 

Durch eine Unterweisung sorgen Sie dafür, dass Ihre MitarbeiterInnen über die Lärmbelastung informiert sind, der Gehörschutz richtig verwendet wird und die Tragebereitschaft erhöht wird.

  • Zeigen Sie vor, wie der Gehörschutz angepasst und richtig getragen wird.
  • Überprüfen Sie, ob Warnsignale mit Gehörschutz noch hörbar sind.
  • Kontrollieren Sie den Gehörschutz auf etwaige Beschädigungen und beachten Sie das Verfallsdatum entsprechend den Herstellerangaben.
  • Informieren Sie Ihre MitarbeiterInnen über die Besonderheiten und Unterschiede der verschiedenen Gehörschützer.

Beachten Sie auch die Vorbildwirkung, die Sie als Vorgesetzter trifft. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran!

Eine Schulung ist gesetzlich verpflichtend

§ 31 Besondere Unterweisungen besagt:
„Für persönliche Schutzausrüstungen, die gegen tödliche Gefahren oder bleibende Gesundheitsschäden schützen sollen, hat der Unternehmer die nach § 3 Abs. 2 der PSA-Benutzungsverordnung bereitzuhaltende Benutzungsinformation den Versicherten im Rahmen von Unterweisungen mit Übungen zu vermitteln.“